Das Volk lacht darüber.
Tausende Doktoranden begehren in einem offenen Brief gegen Guttenberg und Merkel auf.
Und so sieht es aus: Wer an deutschen Unis seinen Doktor machen will, muss versichern, dass er seine Dissertation selbstständig angefertigt hat. „Alle wörtlich oder sinngemäß den Schriften anderer Autoren entnommene Stellen habe ich kenntlich gemacht“, heißt es etwa in der eidesstattlichen Versicherung.
Das heißt, aus anderen Quellen darf alles verwendet werden
durch Kenntlich machen “…….“ wird die Arbeit zu einer Dissertation,
durch nicht Kenntlich machen zum Plagiat.
wissi
Quelle: Einzelne Passagen aus Blöde Doktorarbeit!
readers-edition.de Rolf Ehlers
Wer eine solche Arbeit selbst schreibt, wird m.E. kaum darauf verzichten, bei der Übernahme interessanten fremden Gedankenguts, das er als Eigengewächs ausgeben will, wenigstens wortwörtliche Textübernahmen zu vermeiden. Ein paar verbale Veränderungen und schon hat der Leser es schwer, den Urheber zu finden! Es kommt ja auch wirklich oft vor, dass bei Allerweltsthemen mehrere Menschen auf gleiche Gedanken kommen. Ich weiß aus meiner Zeit als Wissenschaftlicher Assistent an der Ruhr-Universität Bochum von Fällen, in denen wissenschaftliche Arbeiten noch viel dreister übernommen wurden, so etwa wenn ein fleißiger Fachautor einfach einen ganzen bis dahin wenig beachteten Fachbeitrag eines verstorbenen Jura-Professors aus einem Fachblatt übernahm und wortwörtlich in einem anderen Blatt unterbrachte, um der langen Liste seiner Publikationen noch einen Aufsatz hinzu zu fügen (es fiel später selbst bei der Bewerbung um hohe Ämter nicht auf).
In den sechziger Jahren habe ich selbst auch halbherzig an einer Promotionsschrift gearbeitet, halbherzig, weil ich das System von Promotion und Habilitation längst als überholt erkannt hatte. Was ist das auch für eine Zumutung, sich ohne einen inneren Drang auf ein Thema zu stürzen, das nichts Neues hergibt!
In den allermeisten Fällen haben die Doktoranden keine große Wahl als bei anderen Autoren einfach abzuschreiben, weil das Thema längst ausgelutscht ist.
Was wohl wird in Helmut Kohls Doktorarbeit an neuen Gedanken enthalten sein, in der er das Thema bearbeitete: „Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945“?
Aus Geltungsgründen und zur Verbesserung der beruflichen Chancen suchen jedes Jahr allein bei den Juristen Tausende die Promotion. Man kann gewiss lange suchen, bis man bei den Ergüssen, die daraus resultieren wirklich einmal einen verwertbaren neuen Gedanken findet.
Jeder weiß, dass es regelrechte „Doktorschmieden“ gibt wie weiland die beim Arbeitsrechtler Prof. Dr. Herrschel in Köln, wo auf besonderen Gehalt der Arbeiten nicht geachtet wurde.
Was wohl wird zu Guttenberg an neuen Erkenntnissen über die „Entwicklungsstufen von Verfassung und Verfassungsvertrag“ beiderseits des Atlantik wohl ausgegraben haben, was nicht bereits hundertmal von anderen, auch von sehr ingeniösen Köpfen, hin und her gewälzt und ausgequetscht worden ist!? Mein Erwartungshaltung ist so gering, dass ich mir nicht die Mühe mache, mir ein Exemplar zu besorgen. Zu Guttenberg spricht seltsamer Weise von einer “Neuauflage” seiner Promotionsschrift. Sie wurde doch in der vorliegenden unzulänglichen Form gebraucht, um ihm die Doktorweihen mit summa cim laude zuzusprechen. Da ist nichts wiederholbar.
Es gibt sie allerdings hier und da doch: die begeisterte Arbeit junger Forscher an ihrem Promotionsthema.